Roberto Assagioli 1888 - 1974

Pionier der Transpersonalen Psychologie und Psychotherapie

Roberto Assagioli war gebürtiger Venezianer. Ab 1906 studierte er Medizin in Florenz, wo er den größten Teil seines weiteren Lebens verbrachte. Er stammte aus einer jüdischen Mittelstandsfamilie und hatte eine klassische humanistische Bildung genossen. Neben seiner Muttersprache Italienisch sprach er fließend Deutsch, Englisch und Französisch und las Griechisch, Latein, Russisch und Sanskrit. Sein Interesse umfasste ein außerordentliches Spektrum von Fachgebieten und Wissensdomänen, ganz besonders arbeitete er in den Grenzbereichen zwischen Medizin, Pädagogik und Religion.

 

Assagioli gehörte zum Kreis der frühen Psychoanalytiker und war wesentlich daran beteiligt, die Psychoanalyse in Italien einzuführen. Jung schrieb 1909 in einem Brief an Freud von "einer sehr erfreulichen und möglicherweise wertvollen Bekanntschaft mit unserem ersten Italiener, einem Dr. Assagioli von der psychiatrischen Klinik in Florenz".  Freud berichtet von einem Brief Assagiolis an ihn – selbstverständlich in perfektem Deutsch. Im 'Jahrbuch für psychoanalytische und psychopathologische Forschungen' berichtete Assagioli über die psychoanalytischen Aktivitäten in Italien. Im Rahmen seiner psychiatrischen Fachausbildung lernte Assagioli übrigens auch bei Bleuler im Burghölzli in Zürich.

 

Bereits 1910 wies Assagioli allerdings auf die Begrenzungen des psychoanalytischen Konzepts hin: Solange der Mensch als nur von seinen biologischen Trieben bedingt verstanden wird, kann er nur teilweise erfasst, aber nicht in seiner Ganzheit gesehen  werden. Assagiolis Anliegen war es, eine wissenschaftliche Psychologie zu entwickeln, die die Realität der Seele anerkennt,  und die Freude,
Sinn und Erfüllung, Kreativität, Liebe, und Weisheit, also die höheren Energien und Strebungen des menschlichen Daseins ebenso mit einbezieht wie die Impulse, Triebe und Bedürfnisse der vitalen Basis
der menschlichen Natur.

 

Auch die anderen psychologischen Schulen, mit denen er sich befasste, stellten seine Suche nicht zufrieden. Von Gordon Allport über Erich Fromm, von  Erik H. Erikson über Ludwig Binswanger, von Carl Rogers über Fritz Perls, von Kurt Lewin über Albert Ellis, von Hanscarl Leuner bis zu Rollo May,  immer fehlte in deren psychologischem Verständnis des Menschen das, was für Assagioli gerade den tiefsten Kern des Menschseins ausmachte. Er fand, dass die  Psychologie und die Medizin in ihrer Begrenzung das Rätsel Mensch nur unvollständig zu  erfassen vermochten.

 

Assagioli  hatte mit tiefem Eindruck Dante Alghieri, Henry James, Ralph Waldo Emerson und Evelyn Underhill gelesen. Er war vertraut mit den großen spirituellen Traditionen , mit östlichen und westlichen, mit christlichen, jüdischen, hinduistischen, und buddhistischen Lehren. Er hatte die klassische griechische Philosophie studiert, vor allem Platon, er kannte die Kabbala, die Veden, und die Schriften von Meister Eckehard, dem Hl. Johannes vom Kreuz und von Theresa von Avila.

 

Persönlich bekannt war er unter anderem mit Hermann Graf Keyserling, mit P.D. Ouspenski, Rabindranath Tagore, dem Sufi Meister Inhayat Khan, mit Coomarasswamy und Alice Bailey, mit dem Zen Meister D.T. Suzuki, mit  Lama Anagarika Govinda und der Tibetforscherin Alexandra David-Neel.

 

Seiner außergewöhnlichen integrativen Begabung ist es zu verdanken, dass er aus  all diesen Schulen, Lehrgebäuden und Traditionen eine Zusammenschau gestalten konnte: Die Psychosynthese, ein Konzept, das die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus Medizin und Psychologie und die Weisheitslehren der Völker zusammenfügt zu einem Menschenbild, das die biologische Gebundenheit des Menschseins in einen größeren Rahmen der persönlichen Wahl und Verantwortung einbindet und diesen wiederum in einen noch umfassenderen der spirituellen Verbundenheit und Teilhabe.


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